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Der Star-DJ aus Mecklenburg

Felix Jaehn ist DJ, Musiker und belegte in den USA Platz eins der Single-Charts. Die Ostsee-Zeitung porträtiert den DJ-Star aus dem Klützer Winkel.

Felix-Jaehn-DJ-Auftritt

Von Peter Intelmann, Ostsee-Zeitung.de

Er hatte bis morgens um vier auf der Bühne gestanden, in Paris war das, aber dann wurde es auch schon wieder eng. Drei Stunden später musste er zum Flughafen. Irgendwo wartete eine neue Stadt, eine neue Bühne, eine neue Party. Irgendwo warteten neue Leute, denen er Spaß bringen sollte und gute Laune. Und dann ging es im Grunde immer so weiter.

So sieht Felix Jaehns Leben jetzt aus. Es ist eine Existenz zwischen Auftritten, Videodrehs und Hotels, zwischen Amsterdam, Finnland, Kroatien und dem „Airbeat One“-Festival in Neustadt-Glewe bei Schwerin. Er ist ein Handlungsreisender in Sachen Glück, jedenfalls wenn man ein paar Stunden Durchtanzen und Abheben so nennen mag. Jaehn ist Diskjockey und Musiker und Songschreiber ist er auch. Und er kommt aus einem kleinen Dorf im Klützer Winkel, Nordwestmecklenburg.

Als wir telefonieren, hat er gerade zwei Stunden Gespräche zu führen. So haben sie es ihm in sein Tagesprogramm geschrieben. Das hat er kaum mehr selbst in der Hand. Termine und Planung, darum kümmern sich jetzt andere. Es gibt ein Management, es gibt eine Agentur, die seine Auftritte koordiniert, es gibt eine Plattenfirma und einen Verlag. Da schwebt eine Organisationswolke um ihn herum, und er liefert den Soundtrack dazu.

In mehr als 20 Ländern oben in den Charts

Felix-Jaehn-DJ-Mecklenburg

Felix Jaehn, das ist eine unglaubliche Geschichte, und in den letzten Wochen ist sie immer unglaublicher geworden. Er hat mit „Cheerleader“ und „Ain‘t Nobody“ zwei gewaltige Hits für diesen Sommer geliefert. Er war in mehr als 20 Ländern ganz oben in den Charts. „Cheerleader“ ist bei Youtube und Spotify gut 500 Millionen Mal geklickt worden, und allein bei Spotify kommen täglich etwa zwei Millionen Streams hinzu. „Es ist das am zweitmeisten gestreamte Lied weltweit“, sagt er. Und dass er das alles schon glauben, aber vielleicht noch nicht wirklich begreifen kann, das sagt er auch. Denn Felix Jaehn ist gerade mal 20 Jahre alt. Er ist vielleicht der zwanzigjährigste Bewohner des Klützer Winkels überhaupt.

Das war alles nicht wirklich abzusehen, einerseits. Aber völlig unlogisch ist es auch nicht. Er ist schon als Schüler mit seiner Musik durch den Norden gezogen. Er war DJ in Lübeck im „Parkhaus“ und im „Cargo“, im „Riverboat“. Er war es in Kiel in der „Pumpe“ und in Schwerin im „Zenit“. Er kennt sie gut, die Clubs und Läden der Region. Und er hat sich immer etwas dabei gedacht. Ein Leben in der Musik, das wollte er haben. Und jetzt hat er es.

Er ist zwar in Hamburg geboren, aber mit seinen Eltern und Geschwistern nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen. In Schönberg am Barlach-Gymnasium hat er Abitur gemacht, und dann pendelte es sich irgendwie ein. Er ging ein Jahr nach London und studierte dort „Musikproduktion, Komposition, Business und alles“. Er machte ein Praktikum beim Hamburger Edel Musikverlag, es gab einen BWL-Anlauf und einen Platz für ein duales Studium Media-Management. Aber es gab immer auch seine Musik. Und irgendwann schälte sich aus all dem eine Karriere heraus, die größer und größer wurde.

Auftritte in Marseille, London und New York

Das lag an „Cheerleader“, dem Remix eines bis dahin mäßig erfolgreichen Reggae-Stücks. Und es lag an „Ain‘t Nobody“, dem Klassiker von Chaka Khan, den er ebenfalls generalüberholt hat. Acht Wochen war er damit ab Mai auf Platz eins der deutschen Single-Charts, und dann gab es kein Halten mehr.

Jetzt reist er durch die Welt mit seiner Musik. Er hat vor 30.000 Leuten beim „Just White“-Openair in Hessen aufgelegt und im Fußballstadion von Olympique Marseille. Er spielt bei Festivals und in Clubs quer durch Europa, hat einen Plattenvertrag bei Universal Music, es hagelt Goldene und Platin-Platten von Großbritannien bis Australien, und junge Mädchen stehen stundenlang an für ein Foto mit ihm.

Im August ist er in den USA unterwegs, als Headliner und auch in der alten New Yorker „Webster Hall“, einer der Tempelanlagen des Pop. Manchmal steht er auf dem Flughafen beim Gepäckband und weiß nicht, aus welcher Stadt er gerade gelandet ist. Er sagt immer, dass er aus Hamburg kommt, weil der Klützer Winkel zwischen Dubai und Washington DC nicht eben sehr bekannt ist. Und dass aus Jähn „Jaehn“ wurde, liegt am Londoner „Ministry of Sound“, einem der größten Clubs der Welt. Sie wollten dort Flyer mit seinem Namen drucken, hatten aber kein „Ä“ zur Hand, und jetzt heißt er also Jaehn. Das ist „cool“, sagt er, und internationaler ist es auch.

Regelmäßig gönnt er sich eine Auszeit an der Lübecker Bucht

Bis Ende des Jahres ist sein Terminkalender voll. Und wenn alles klappt, soll im Frühjahr sein erstes Album erscheinen. Es sind nur eigene Songs darauf, sagt er. Er war im Studio in Oslo und Amsterdam, in London und Stockholm und hat daran gefeilt. Aber er arbeitet auch unterwegs: im Zug, im Flugzeug, im Hotel, der Ort spielt keine Rolle. „Es ist im Endeffekt alles auf dem MacBook“, sagt er. Und zu Hause hat er neben Klavier und Marimba auch noch ein „kleines Homestudio mit dem Nötigsten, wo man sich mal richtig hinsetzen kann“.

Zu Hause, das ist in einem Dorf in der Lübecker Bucht, dessen Name nicht genannt werden soll. Seine Familie lebt da, er hat dort Freunde und ein Haus, er legt an der Ostsee immer wieder Pausen ein. Alle ein, zwei Wochen schert er hier für ein paar Tage aus dem Trubel aus und guckt sich an, wie das Leben jenseits seines Hochgeschwindigkeitsalltags als DJ und Popstar seinen Gang geht. Es tut ihm gut, sagt er. „Das ist mir wirklich mit am wichtigsten. Das braucht man auch als Ausgleich, um runterzukommen aus dieser Achterbahn.“

Bildnachweis: Universal Music