Thomas Düffert eröffnet Summit „The Future of German Media“ – Medienbranche diskutiert Zukunft des Journalismus
Wie sichern Medien ihre Zukunft – wirtschaftlich und journalistisch? Das diskutieren am heutigen Donnerstag etwa 700 Entscheiderinnen und Entscheider aus der Medienbranche beim Summit „The Future of German Media“ in Hannover.
Den Auftakt setzte am Vormittag MADSACK-CEO Thomas Düffert mit seiner Keynote „The Future of German Media“. Die Branche befinde sich in einer entscheidenden Phase der Transformation: „Die nächsten drei bis fünf Jahre entscheiden über die nächsten drei bis fünf Jahrzehnte im Journalismus.“
Der wirtschaftliche Wandel der Branche beschleunige sich gerade rasant: „Print reicht zur Finanzierung von Journalismus nicht mehr lange aus.“ Natürlich müsse man Print so lange wie möglich profitabel halten, entscheidend für die Zukunft sei aber der konsequente und vor allem schnelle Ausbau tragfähiger digitaler Geschäftsmodelle. Dabei seien starke und vertrauenswürdige Medienmarken ein entscheidender Erfolgsfaktor für Journalismus. „Trusted Brands are our Future“, sagte Düffert. Glaubwürdige publizistische Marken stünden in einer fragmentierten Medienwelt mit zunehmenden KI-Inhalten schließlich für die Kernwerte, die guten Journalismus auszeichneten: Vertrauen und Relevanz.
Die aktuellen medienpolitischen Rahmenbedingungen sah Düffert dabei kritisch. Statt die Medienunternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützen, würden viele gesetzgeberische Maßnahmen auf das Gegenteil hinauslaufen. „Medienpolitik in Deutschland ist ein Transformationsrisiko“, sagte Düffert. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt in der Branche.
Strategiepodium: Unterschiedliche Wege durch die Transformation
Bei der Podiumsdiskussion „Knallhart sparen, kräftig investieren – geht das zusammen?“ diskutierten Thomas Düffert (CEO, MADSACK Mediengruppe), Friederike Pfingsten (Verlegerin und Geschäftsführerin, Cellesche Zeitung), Holger Friedrich (Verleger, Berliner Zeitung / Ostdeutsche Allgemeine Zeitung) und Hendrik Lünenborg (Intendant, NDR) über strategische Prioritäten im Medienwandel.

Dabei wurden unterschiedliche Schwerpunkte deutlich: Pfingsten stellte die Bedeutung journalistischer Inhalte in den Mittelpunkt – „Relevanz ist das entscheidende Ziel, nach dem wir uns jeden Tag ausrichten.“ Friedrich betonte die Notwendigkeit wirtschaftlicher und publizistischer Unabhängigkeit, Lünenborg die Bindungskraft von Medienmarken und die Nähe zum Publikum, während Düffert vor allem auf tragfähige Geschäftsmodelle für digitalen Journalismus verwies.
Auch über die Rolle der Medien wurde diskutiert. „Der Diskursraum wird immer kleiner“, sagte Friedrich. Lünenborg plädierte für mehr offene Auseinandersetzung: „Wir müssen wieder streiten lernen.“ Zugleich betonte Düffert: „Wettbewerb belebt das Geschäft.“
Beim Umgang mit wirtschaftlichem Druck zeigten sich unterschiedliche Strategien: Pfingsten setzt auf klare Fokussierung auf journalistische Kernkompetenzen, Friedrich auf Investitionen in Technologie und Personal für das digitale Geschäft. Lünenborg sprach von steigender Effizienz und klaren Prioritäten, während Düffert für strategisches Sparen und gezielte Investitionen in Journalismus, Technologie und neue Geschäftsmodelle plädierte.
Weitere Programmpunkte: KI, Best Practices und Vertrauen in Journalismus
Weitere Fokusthemen beim The Future of German Media Summit sind der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Journalismus sowie Best Practices aus Redaktionen in ganz Deutschland. Zu den Speakern gehören: KI-Experte Ezra Eeman (NPO) sowie Markus Knall (IPPEN.MEDIA), Louisa Riepe (Neue Osnabrücker Zeitung), Janko Tietz (DER SPIEGEL), Sarah Brasack (Kölner Stadt-Anzeiger) und Amien Idries (Aachener Zeitung).
Auch die gesellschaftliche Rolle von Medien wird in Hannover gesprochen: Auf dem Podium „Journalismus, na und?“ diskutieren Martin Machowecz (DIE ZEIT), Stephan Lamby (Journalist), Julia Reuschenbach (Universität Hamburg) und Oliver Hollenstein (Westdeutsche Allgemeine Zeitung), moderiert von Eva Quadbeck (RND), auch die Frage, ob Journalistinnen und Journalisten in Deutschland zu oft einer Meinung sind.
Weitere Impulse kommen von Joachim Gauck (Bundespräsident a.D.), Victoria Reichelt (Journalistin und Moderatorin), Jens Thiemer (LIDL), Greg Piechota (INMA), Gard Steiro (Verdens Gang), Nils von der Kall (ZEIT Verlagsgruppe) und Michael Ensser (Egon Zehnder).
The Future of German Media setzt an zwei Tagen auf eine Mischung aus strategischen Debatten, Impulsvorträgen und Praxisbeispielen. Bereits am ersten Veranstaltungstag fanden Deep-Dive-Sessions mit mehr als 30 Partnerunternehmen statt, die technologische Lösungen für digitalen Journalismus präsentierten.
Weitere Informationen sowie Bildmaterial zur Veranstaltung stehen online unter https://futureofgermanmedia.de zur Verfügung.
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