August Madsack – Portrait eines Gründers

23. Mai 2018

1893 gab der Verleger erstmals den Hannoverschen Anzeiger heraus. Mit kreativem Gründergeist legte er den Grundstein für die heutige MADSACK Mediengruppe.

Es ist der 16. Dezember 1856. Im ostpreußischen Hirschfeld (heute Jelonki), rund 100 Kilometer östlich von Danzig, kommt August Madsack als jüngstes von sieben Geschwistern zur Welt. Als Kind erfreut August sich am ländlichen Wesen der Provinz, vor allem aber verschlingt er Bücher.

„In dieser abgeschiedenen ost-preußischen Einsamkeit, wo das Blickfeld unmittelbar von den Elbinger Höhen begrenzt wurde, gingen die Träume des Knaben weit hinweg in die Welt, die er sich im Banne seiner täglichen Lektüre, die von Klassikern bis zum banalen Schmöker alles umfaßte, bunt und verheißungsvoll aufbaute.“

August Madsack, Hochhaus-Festschrift, April 1928

Vater Karl Friedrich und Mutter Luise leben von der Landwirtschaft. Um den jungen August Madsack auf ein Gymnasium zu schicken, fehlt der Familie das Geld. Daher beginnt er früh damit, sein eigenes Geld zu verdienen. Madsack wendet sich der „schwarzen Kunst“ zu – wird Buchdruck- und Zeitungsfachmann. Nach der Lehre arbeitet er in verschiedenen Druckereien in ostpreußischen Städten.

Mit schwarzer Kunst in die Welt hinaus

1875 ergreift der 18-Jährige die Gelegenheit, nach Russland zu gehen – in die Welt hinaus, nach deren Weite er sich sehnt. Madsack übernimmt eine Stelle bei der deutschsprachigen Zeitung St. Petersburg Herold, wechselt später zur Revaler Zeitung. In der Hauptstadt Estlands – damals Teil des Russischen Kaiserreichs – heiratet er Luise Barnstorf-Koch.

Sie bringt hier die Söhne Georg und Paul zur Welt. Wenig später, im Jahr 1882, zieht die Familie weiter nach Riga. In der Stadt wird 1889 der dritte Sohn Erich geboren. Der 25-jährige August Madsack ist zu dieser Zeit Verlagsleiter beim Rigaer Tageblatt.

Mit der Herrschaft des russischen Zaren Alexander III. verschlechtern sich im Verlauf der 1880er-Jahre die Bedingungen für Madsack und andere Deutsche im Baltikum. Er kehrt „schweren Herzens und mit Rücksicht auf Existenz und Zukunft meiner Familie“ 1891 nach Deutschland zurück. „Per Schiff ging´s von Riga nach Stettin“, schreibt Madsack später.

August Madsack mit seinen Söhnen Erich, Paul und Georg und dem Enkel Hans August.
August Madsack (unten rechts) mit seinen Söhnen (v. l.) Erich, Paul und Georg und dem Enkel Hans August.

August Madsack: Ankunft in Hannover

„Eine andere Stadt, andere Verhältnisse, andere Menschen, andere Sitten umgaben ihn. Er mußte sich erst einfühlen, einbürgern, ja, in manchen Falle einwühlen in die neue Atmosphäre, in den Geist dieser Stadt, in die besonderen niedersächsischen Gewohnheiten, man möchte fast sagen, in das politische und kulturelle Klima Hannovers.“

Zum Tod von August Madsack, Hannoverscher Anzeiger, 7. Februar 1933

Als erfahrener Buchdrucker und Verleger macht sich der 34-Jährige selbstständig. Er trifft auf fruchtbaren Boden, denn seit den 1870er-Jahren blüht das Zeitungswesen im Deutschen Reich auf.

Die Gründung vieler neuer Blätter in den meisten großen deutschen Städten „gab mir die Idee, mir einen Platz in Deutschland zu suchen, wo eine derartige Gründung noch möglich sei, und so besah ich mir daraufhin die Landkarte“, erinnert sich Madsack später. „Ein glücklicher Stern führte mich nach Hannover. Dort warf ich Anker und begann mit den Vorarbeiten zur Gründung des Hannoverschen Anzeigers“.

August Madsack erhält am 9. September 1895 das Bürgerrecht in Hannover.
Das Bürgerrecht in Hannover erhält August Madsack 9. September 1895 nachdem er die „Bürgerrechtsgewinngelder“ zahlt und den „Bürgereid“ schwört.

Hannoverscher Anzeiger – Ein Blatt für Jedermann

August Madsack ist kein Mann der großen Worte. Auf seine knappen Fragen erwartet er knappe Antworten. Ihn prägt seine preußische Erziehung, die Pflichterfüllung ist für ihn oberste Maxime. Am 31. Dezember 1892 gründet er die Firma Hannoverscher Anzeiger August Madsack & Co. – den Vorläufer der heutigen MADSACK Mediengruppe.

Am Dienstag, 28. Februar, druckt er von der ersten Ausgabe des Hannoverschen Anzeigers 48.000 Exemplare, verteilt sie kostenlos an nahezu jeden Haushalt der Stadt und in umliegenden Ortschaften – zwei Monate lang.

Von der Tatsache ausgehend, daß am hiesigen Orte bisher noch ein billiges, Jedermann zugängliches parteiloses Blatt fehlte, lassen wir von heute an ein solches unter dem Titel Hannoverscher Anzeiger erscheinen.

Erste Ausgabe des Hannoverschen Anzeigers, 28. Februar 1893

Mit der massiven Präsenz und den niedrigen Preisen für Inserate gewinnt August Madsack schnell viele Anzeigenkunden. Er macht den Hannoverschen Anzeiger – den Vorläufer der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung – ab 1893 in wenigen Jahren zu einer der meistgelesenen Zeitungen Deutschlands.

Das Titelblatt des ersten Hannoverschen Anzeigers.
Das Titelblatt des ersten Hannoverschen Anzeigers.

Sein Hannoverscher Anzeiger wächst in Höhe und Breite. Erst zehn Seiten, dann 16, 24, teilweise sogar 60. Bilder, Grafiken und Zeichnungen sind aufsehenerregende Beigaben. Kurz vor Kriegsausbruch 1914 werden 112.000 Exemplare gedruckt.

Mit dem Krieg leidet das Land jedoch zunehmend an einer Papierknappheit – August Madack stellt 1915 alle Beilagen ein und verzichtet auf Anzeigen. Nach Kriegsende bleibt er zupackender Verleger und gibt seinem Lebenswerk Anfang der 1920er-Jahre neue Impulse. Er setzt seinen jüngsten Sohn Erich als Feuilletonchef ein. Nach kurzer Zeit übernimmt Erich Madsack die Chefredaktion, sein Bruder Paul leitet das Feuilleton von nun an.

Mehr zur Geschichte von August Madsack und der MADSACK Mediengruppe gibt´s auf der Themenseite „125 Jahre Madsack“.

August Madsack: Das Ohr am Puls der Zeit

Trotz des Erfolgs sind ihm Prunk und Protz fremd. Hin und wieder reitet August Madsack auf der Herrenhäuser Allee aus, durchquert mit dem Rad den Stadtwald Eilenriede oder spaziert durch Hannover. Dabei sieht und hört er stets, worüber die Menschen sprechen, was sie bewegt. Er hat sein Ohr am Puls der Zeit.

August Madsack bringt sich ins Stadtleben an der Leine ein: Er schafft 1906 „das große Rennen von Hannover“, dass 30.000 Menschen in die Stadt zieht. Es folgen eine Reihe von Wohltätigkeitsveranstaltungen, darunter eine große Puppenausstellung, ein Trachtenfest und diverse Konzert- und Theaterveranstaltungen. Flugpioniere zeigen am Himmel ihre Kapriolen. Die bekanntesten Boxer kämpfen auf Einladung von Madsack.

„Aber nicht nur für sein Zeitungsunternehmen allein hatte August Madsack Interesse; auch für die Stadt Hannover, für die Belebung von Handel, Gewerbe und Industrie, für den Fremdenverkehr, für die Wohlfahrtspflege, für Kunst und Wissen, für kulturelle Aufgaben und für alle, was zur Hebung und Verschönerung beitrug, war er stets mit Rat und Tat zur Unterstützung bereit, auch unter pekuniären Opfern.“

Festschrift zum 75. Geburtstag von August Madsack

Ein Meilenstein ist der von August Madsack veranlasste Besuch der „Viktoria Luise“ im Jahr 1912 – es war der erste Zeppelin in Hannover. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung blickte 2012 in dem Artikel „100 Jahre Zeppelinlandung in Hannover“ auf das Ereignis zurück.

August Madsack holt im Jahr 1912 den ersten Zeppelin nach Hannover.
Im Jahr 1912 besucht der erste Zeppelin Hannover – August Madsack (links im Bild) organisiert das Ereignis.

Die alteingesessenen Hannoveraner geben ihm den Spitznamen „der Russe“, weil er so lange in dem Land gelebt hat und die Sprache perfekt beherrscht – ein Exot in den Augen vieler Einheimischer, deren Respekt er dennoch genießt.

Während seiner Zeit in Hannover bleibt er seiner ostpreußischen Heimat verbunden – er erhält sogar die Ehrendoktorwürde der Universität Königsberg. In Ostpreußen erwirbt er ein Gut, auf dem er hochwertiges Vieh züchtet. Außerdem lässt er in der Kirche in seinem Heimatdorf eine Orgel restaurieren.

Seinem Geburtshort Jelonki spendet August Madsack die Restauration einer Orgel. Auf dieser ist er mit einer Widmung verewigt.
Eine Widmung an der Orgel im heutigen Jelonki (ehemals Hirschfeld) erinnert an den Stifter der Restauration: August Madsack.

Anzeiger-Hochhaus: Ein Wahrzeichen für Hannover

Nach erfolgreichen Jahren als Verleger schenkt der 71-Jährige seiner Wahlheimat Hannover ein Wahrzeichen – das Anzeiger-Hochhaus. Der Bau in den zwanziger Jahren ist eine Sensation für die Stadt.

1928 wird das Hochhaus fertiggestellt und dient fortan als Verlagssitz. Es ragt 51 Meter in den Himmel und prägt von nun an mit seiner grünpatinierten Kupfer-Kuppel das Stadtbild. Anders als viele Gebäude in der Innenstadt übersteht es sogar den Zweiten Weltkrieg.

August Madsack lässt sich den Bau des Anzeiger-Hochhauses von Architekt Fritz Höger erklären.
August Madsack (Mitte) lässt sich den Bau des Anzeiger-Hochhauses von Architekt Fritz Höger erklären.

Mehr zum Anzeiger-Hochhaus gibt es im Artikel90 Jahre Anzeiger-Hochhaus: eine bewegte Geschichte“.

Am 5. Februar 1933 – wenige Wochen vor dem 40. Geburtstag des Hannoverschen Anzeigers – stirbt August Madsack mit 76 Jahren. „Ein Herzschlag riss ihn am Sonntagmittag aus dem Leben“, schreibt seine Zeitung.

Tage später säumen Zehntausende Weggefährten, Leser und Bürger seinen letzten Weg durch die Stadt – die sich von August Madsack hatte erobern lassen.

„Mit ihm wurde ein Zeitungsmann von einzigartiger Begabung, ein aufrechter gradliniger Charakter und – was uns, seine Mitarbeiter, an diesem Tage am tiefsten berührt – ein gütiger Mensch abberufen.“

Zum Tod von August Madsack, Hannoverscher Anzeiger, 7. Februar 1933

 

Mehr zur Geschichte von August Madsack und der MADSACK Mediengruppe gibt´s auf der Themenseite „125 Jahre Madsack“.

Aktuelle Beiträge

Hinterlassen Sie eine Antwort

Bitte kommentieren Sie
Geben Sie bitte Ihren Namen ein