Historische Erstausgaben: die Cover unserer Titel seit 1821

21. August 2018

Ein wütender Kaiser Wilhelm II., unbewachter Atommüll oder ein neuer Polizeisergeant – wir haben unser Archiv geöffnet und historische Titelseiten unserer Zeitungen zusammengestellt. Hier gibt´s die Erstausgaben mit ihren wichtigsten Geschichten im Überblick.

Die MADSACK Mediengruppe gibt insgesamt 15 regionale Tageszeitungen heraus. Sie erscheinen beispielsweise in Lübeck, Leipzig, Potsdam, Hannover, Rostock und in Gelnhausen. Viele von ihnen blicken auf eine mehr als hundert Jahre lange Tradition zurück.

Die Redakteurinnen und Redakteure haben über das Deutsche Kaiserreich, zwei Weltkriege sowie die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands berichtet. Doch was waren die Schlagzeilen der ersten Ausgaben? Hier haben wir die ersten Titelseiten und die Geschichten dahinter aufgeführt.

Noch mehr Einblicke in die Historie der MADSACK Mediengruppe gibt´s auf der Themenseite „125 Jahre MADSACK“.

Historische Titelseiten im Überblick: MADSACK-Tageszeitungen des 19. Jahrhunderts

Das Naumburger Tageblatt (1821)

Die erste Ausgabe des Naumburger Tageblatts (damals noch Naumburger Kreis-Blatt) erscheint am 7. März 1821 - die älteste der Madsack-Tageszeitungen.
Die erste Ausgabe des Naumburger Tageblatts (damals noch Naumburger Kreis-Blatt) erscheint am 7. März 1821.

Das Naumburger Tageblatt hat die älteste Tradition der MADSACK-Titel und ist gleichzeitig einer der ältesten Titel in Deutschland. Im Jahr 1821 erscheint die Zeitung erstmals unter dem Namen Naumburger Kreis-Blatt auf offizielle Anordnung des königlichen Landrates und des Stadtmagistrates.

Die historische Titelseite verrät die erste Bekanntmachung“ des Blatts: Die Klassensteuer-Reklamations-Anträge sollen zur Erleichterung der Übersicht zukünftig in tabellarischer Form eingereicht werden. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erscheint die Zeitung als Naumburger Tageblatt. Anschließend entwickelt sich der Titel zu einer in Sachsen-Anhalt fest verwurzelten Regionalzeitung.

Peiner Allgemeine Zeitung (1848)

Am Anfang erscheint die PAZ unter dem Titel „Bekanntmachungen und Tagesneuigkeiten“.
Zunächst erscheint die Peiner Allgemeine Zeitung noch unter dem Titel Bekanntmachungen und Tagesneuigkeiten.

Die Peiner Allgemeine Zeitung gehört ebenfalls zu den ältesten Tageszeitungen Deutschlands. Das Blatt hieß zunächst Bekanntmachungen und Tagesneuigkeiten. Der Titel erscheint erstmals 1848 – also im selben Jahr, in dem die Pressefreiheit in Deutschland verkündet wurde.

In der ersten archivierten Ausgabe (vom 31. März 1848) wird eine Zwangsversteigerung eines Grundstücks angekündigt, mit Hermann Wirth ein neuer „Polizeisergeant“ vorgestellt und berichtet, dass die Firma der Gebrüder Kessel ins Handelsregister eingetragen wurde.

Aller-Zeitung (1850)

Auf dieser Aufnahme, die um das Jahr 1900 entstand, ist deutlich das Verlagsgebäude der Aller-Zeitung zu erkennen.
Auf dieser Aufnahme, die um das Jahr 1900 entstand, ist deutlich das Verlagsgebäude der Aller-Zeitung zu erkennen.

Die Aller-Zeitung wird 1850 gegründet und reiht sich damit in die Riege der ältesten Tageszeitungen des Landes ein. Zu Beginn trug die Aller-Zeitung allerdings einen anderen Namen: Am 2. März 1850 brachte Carl Heyer das vierseitige Blatt Gifhorner Zeitung und Anzeigen heraus. Der Verleger überlegte sich jedoch bald einen einprägsameren Namen für seinen Titel: Am 6. August 1851 wurde die Aller-Zeitung aus der Taufe gehoben. Sie erschien zunächst zweimal pro Woche.

Im Jahr 1900 zog die Redaktion in einen markanten Bau am südlichen Ende Gifhorns, in dem sie nun seit 118 Jahren beheimatet ist.

Lübecker Nachrichten (1882)

Im Jahr 1882 hießen die Lübecker Nachrichten noch General-Anzeiger für Lübeck und Umgebung.
Im Jahr 1882 hießen die Lübecker Nachrichten noch General-Anzeiger für Lübeck und Umgebung.

Am 15. Juli 1882 verlässt die erste Ausgabe des General-Anzeigers für Lübeck und Umgebung die Schnellpresse der Vorläufer der heutigen Lübecker Nachrichten ist geboren. Charles Coleman, gebürtiger Schotte, hat in Lübeck eine Marktlücke ausgemacht und liefert den Bürgern der Stadt das, wonach sie sich sehnen: Informationen und Unterhaltung.

Nach drei Jahren erscheint der General wie ihn die Lübecker nennen täglich. Die Auflage steigt zur Jahrhundertwende auf 30.000 Exemplare. Damit ist das Blatt zu dieser Zeit die am weitesten verbreitete Provinzzeitung in Deutschland. Seit dem 3. April 1946 trägt der Titel den Namen Lübecker Nachrichten.

„Wohin mein Schicksal schon mich trieb, durch´s große deutsche Reich, noch keine Stadt hatt ich so lieb – und keine kommt ihr gleich – als die wo Reich und Arm vereint heut Lust und Freude fand – das schöne Lübeck ist gemeint – am grünen Travestrand!“

A.M., Gedichtauszug Titelseite vom ersten General-Anzeiger für Lübeck und Umgebung

Göttinger Tageblatt (1889)

Das Göttinger Tageblatt erscheint am Dienstag den 6. August 1889 das erst Mal.
Das Göttinger Tageblatt wendet sich am 6. August 1889 das erste Mal „an die verehrten Leser und Leserinnen“.

Am Dienstag, 6. August 1889, erscheint die erste Ausgabe des Göttinger Tageblattes. „Das Göttinger Tageblatt wird weit und breit die billigste Tageszeitung sein“, steht in der ersten Ausgabe, die 40 Pfennig kostet.

Ein Blick auf die historische Titelseite verrät den ersten Aufmacher: Der Kaiser Franz Josef ist auf englischem Boden gelandet, um sich von der Queen zum Ehrenadmiral der englischen Marine ernennen zu lassen. Außerdem berichtet das Göttinger Tageblatt auch aus dem Ausland  so können die Göttinger Neuigkeiten aus Budapest, St. Petersburg oder Paris lesen.

Märkische Allgemeine Zeitung (1890)

Die erste Ausgabe der neuaufgelegten Märkischen Volksstimme erscheint am 18. April 1946.
Die erste Ausgabe der neuaufgelegten Märkischen Volksstimme erscheint erstmals am 18. April 1946.

Als SPD-Zeitung wird die Märkische Volksstimme 1890 in Frankfurt/Oder gegründet. Nach 43 Jahren regionaler Berichterstattung wird das Blatt nach der Machtergreifung der NSDAP verboten.

Am 18. April 1946 wird sie unter altem Namen als SED-Parteizeitung wieder aufgelegt und berichtet bis 1989 über die brandenburgische Region. Auf der Titelseite 1946 zu lesen: Der Aufruf zu einer Demonstration für Freiheit und Einheit am 1. Mai 1946 sowie die Schilderung des wirtschaftlichen Aufschwungs Brandenburgs nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Jahr 1990 erhält das Blatt seinen heutigen Titel: Märkische Allgemeine Zeitung.

„Unsere neue Zeitung soll, gestützt auf die Mitarbeit unserer Leser, zu einem lebendigen Spiegel des wirklichen Lebens unserer Provinz werden, und andererseits den Werktätigen alle wichtigen Informationen aus den übrigen Teilen unseres Vaterlandes und der Welt vermitteln.“

Verlag und Redaktion, Erste Ausgabe der Märkischen Volksstimme

Dresdner Neueste Nachrichten (1893)

Die erste Ausgabe der Dresdner Neuesten Nachrichten ist als „Probenummer" deklariert.
Die erste Ausgabe der Dresdner Neuesten Nachrichten ist als „Probenummer“ deklariert und erscheint erstmals am 8. September 1893.

Die erste Publikation der Dresdner Neuesten Nachrichten geht auf den 8. September 1893 zurück. Der geistige Vater der Zeitung war der Verleger August Huck, der vorher schon die Nürnberger Zeitung, die Breslauer Neuesten Nachrichten und die Münchner Zeitung gegründet hatte.

Die Dresdner Neuesten Nachrichten erscheinen in einer Auflage von 75.000 Stück und stellen in einem Leitartikel das Blatt mit seiner „konservativ treuen“ Ausrichtung dar. Außerdem gibt es eine Sonderbeilage: „Für unsere Frauen“. Hier gibt es Unterhaltung mit dem Roman „Und vergib uns unsere Schuld“ von Georg Höder.

Im Jahr 1943 wird das Blatt eingestellt. Viele Jahrzehnte später, im Jahr 1992, wird die Zeitung neu aufgelegt.

Leipziger Volkszeitung (1894)

Die Leipziger Volkszeitung erschien ab 1894 als „Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes".
Die Leipziger Volkszeitung erschien ab 1894 als „Organ für die Interessen des gesamten werktätigen Volkes“.

An einem Montag, dem 1. Oktober 1894, beginnt die Geschichte der Leipziger Volkszeitung. Mit sozialistischen Organisationen und Vereinen im Rücken schafft Chefredakteur Bruno Schönlank in Leipzig ein Blatt als Stimme für die Arbeiterbewegung.

Er versendet Korrespondeten ins ganze Reich und erstellt einen umfangreichen Lokalteil. Schon der erste Aufmacher hat es in sich: Dabei handelt es sich um die Thorner Rede von Kaiser Wilhelm II., der gegen die nationalistischen Tendenzen der preußischen Polen wettert und deren Loyalität gegenüber der Krone einfordert.

Mehr zur Geschichte der MADSACK Mediengruppe gibt´s auf der Themenseite „125 Jahre MADSACK“.

Historische Titelseiten: MADSACK-Tageszeitungen der Nachkriegszeit

Hannoversche Allgemeine Zeitung (1949)

Die erste Hannoversche Allgemeine Zeitung erscheint am 25. August 1949.

Verleger August Madsack gibt am 28. Februar 1893 den ersten Hannoverschen Anzeiger heraus und legt damit den Grundstein für die heutige MADSACK Mediengruppe. Am 1. März 1943 dem 50-jährigen Jubiläum des Blattes erscheint der Titel zum letzten Mal und wird von den Nationalsozialisten eingestellt.

Erich Madsack, der Sohn von August, führt das Lebenswerk seines Vaters ab 1949 mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung fort. Der Aufmacher in der Erstausgabe vom 25. August: Konrad Adenauer wird erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Außerdem gibt es spektakuläre Bilder vom Probeabwurf eines Jeeps durch die britische Luftwaffe im Raum Göttingen.

Wolfsburger Allgemeine Zeitung (1951)

Das Auto direkt im Titel: Die erste archivierte Ausgabe der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung.
Das Auto direkt im Titel: Die erste archivierte Ausgabe der Wolfsburger Allgemeinen Zeitung vom 1. April 1951.

Die Wolfsburger Allgemeine Zeitung erscheint seit 1951. Sie wird vom Enke-Verlag herausgegeben, der im nahen Gifhorn sitzt und seit 1850 das Schwesterblatt Aller-Zeitung veröffentlicht. Durch den industriellen Aufschwung der VW-Werke wächst die Stadt, viele junge Familien zieht es nun nach Wolfsburg. Die Wolfsburger Allgemeine Zeitung trägt dieser Entwicklung Rechnung und begleitet das Geschehen in der Stadt und der Region bis heute.

Charakteristisch: In der ersten vorliegenden Ausgabe vom 1. April 1951 ist in der Titelzeile ein VW-Auto eingearbeitet. Der erste Aufmacher: Die Sowjetunion mischt sich in den Persischen Öl-Konflikt ein, der Blechmangel der VW-Werke ist bald behoben und die Diskussionen um das Wirtschaftsprogramm der BRD dauern an.

Ostsee-Zeitung (1952)

Als die Ostsee-Zeitung das erste Mal erscheint, dreht sich wie heute viel um die wirtschaftliche Gesundheit der Werften.
In der ersten Ausgabe der Ostsee-Zeitung gehts um den wirtschaftlichen Zustand der Werften.

Die Ostsee-Zeitung erscheint erstmals am 15. August 1952 – und das in einer Auflage von 103.000 Exemplaren. Als SED-Parteizeitung berichtet das Blatt in der DDR regimetreu über aktuelle Entwicklungen im ersten Aufmacher etwa über die Werften im sozialistischen Wettbewerb. Außerdem: Die Genossenschaftsbauern aus Altenpleen (bei Stralsund) haben das Getreidesoll schon zum 25. August des Jahres erfüllt und die Butterpreise sind von 5,20 auf 7,30 DM gestiegen.

Schaumburger Nachrichten (1975)

Die Schaumburger Nachrichten erscheinen seit 1975 unter bekannten Namen.
Die Schaumburger Nachrichten erscheinen seit 1975 unter bekannten Namen.

Ab 1949 verlegt die MADSACK Mediengruppe dreimal wöchentlich als Lokalbeilage der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung den Schaumburger Anzeiger. Redakteur Lorenz berichtet für den Titel damals noch ohne Telefon, aber mit kleinem Büro und Fahrrad.

Ab 1975 erscheinen die Schaumburger Nachrichten, die über Aktuelles zwischen dem Steinhuder Meer und der Weser berichten. Der erste Aufmacher: Die FDP fordert Helmut Schmidt in seinem Urlaub am Brahmsee dazu auf, mit der Konsolidierung des Bundeshaushalts 1976 schnellstens zu beginnen.

Neue Presse (1978)

Erste Ausgabe der Neuen Presse Hannover: 27. Oktober 1978.
Die Titelseite der ersten Neuen Presse vom 27. Oktober 1978.

Im Jahr 1946 wird die Neue Hannoversche Presse gegründet. 1975 beteiligt sich die MADSACK Mediengruppe an der Zeitung. Den Namen Neue Presse trägt das Blatt seit 1978. Die Zeitung etabliert sich in Hannover als führende Sportzeitung der Region mit Hintergrundberichten aus dem Fußball- und Eishockeybereich.

Der erste Aufmacher der Neuen Presse: Atommüll wird mitten in Hannover unbewacht gelagert. LKW beherbergen das gefährliche Gut auf dem Hof einer Spedition, die den Müll in ein stillgelegtes Bergwerk weitertransportieren soll.

Gelnhäuser Neue Zeitung (1988)

Die Gelnhäuser Neuesten Nachrichten erscheinen erstmals am 16. Januar 1988 - die jüngste MADSACK-Tageszeitung.
Der Titel „Gelnhäuser Neue Zeitung“ erscheint erstmals am 16. Januar 1988 und ist damit die jüngste unter den MADSACK-Tageszeitungen.

Das Druck- und Pressehaus Naumann gründet 1988 die Gelnhäuser Neue Zeitung. Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag, nordkoreanische Agenten sprengen eine südkoreanische Boeing oder die Nachwehen der Tschernobyl-Katastrophe: die Titelseite der ersten Ausgabe spart nicht mit internationalen Schlagzeilen. Direkt daneben stellt der damalige Verleger Erhard Naumann das neue Blatt vor:

Als Heimatzeitung – diesen Anspruch stellen wir uns mit unserem ganzen Team – wollen wir aktuell berichten und die Menschen der Region ausgewogen, dennoch kritisch informieren.

Erhard Naumann, Erste Ausgabe der Gelnhäuser Neuen Zeitung

Der Blog-Beitrag „Historische Erstausgaben: die Cover unserer Titel seit 1821“ stammt von Moritz Naumann. Er ist Volontär bei der Ostsee-Zeitung und absolviert seine Ausbildung am MADSACK Medien Campus.

Neben der Übersicht über historische Titelseiten aus dem Archiv blicken wir auch auf andere Episoden unserer Geschichte. Mehr zur Historie der MADSACK Mediengruppe gibt´s auf der Themenseite „125 Jahre MADSACK“.

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