Historische Zeitungsbeilagen im Hannoverschen Anzeiger

7. Februar 2019

„Der Lustige Hannoveraner“, die „Hannoversche Illustrierte Zeitung“ oder der „Jugendfreund“ – vor über 100 Jahren enthielt Der Hannoversche Anzeiger vielfältige historische Zeitungsbeilagen. Wir zeigen ein paar der ältesten Drucke.

Rare Fotografien, Karikaturen und Bastelanleitungen für Kinder – bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörten Beilagen und Sonderdrucke zum Hannoverschen Anzeiger. Die Blattmacher der Tageszeitung entwickelten diese für verschiedene Lesevorlieben und zu unterschiedlichen Themen.

Wir haben uns ins Archiv begeben und historische Zeitungsbeilagen und Sonderdrucke des Hannoverschen Anzeigers von 1909 bis 1928 herausgesucht. Sie zeigen, was die Blattmacher und Leser im Kaiserreich, während des Ersten Weltkriegs und in den Anfängen der Weimarer Republik bewegte.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass ihre Inhalte und Themen stets die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der jeweiligen Zeit widerspiegeln.

Historische Zeitungsbeilagen und Sonderdrucke vor 100 Jahren

Der Lustige Hannoveraner

„Seit die Menschen in der Luft herumfliegen, ist die ganze Maschine in Unordnung!“ Der arme Petrus steht in dem Maschinenraum, mit dem er normalerweise Sonne, Mond, Wetter und Gezeiten unter Kontrolle hält, und ist verzweifelt. Nichts funktioniert mehr – im Jahr 1909.Karikatur: Zentral-Werke im Himmel. Historische Zeitungsbeilagen.

Die Karikatur in der Beilage „Der Lustige Hannoveraner“, die vor über 100 Jahren im Hannoverschen Anzeiger erscheint, spielt auf die neuen technischen Möglichkeiten der damaligen Zeit an: Propellerflugzeuge, Luftschiffe – der Mensch ist gerade dabei, den Himmel zu erobern. Humoristisch nimmt sich „Der Lustige Hannoveraner“ gesellschaftliche oder lokale Themen vor.

In der regelmäßig erscheinenden Kolumne „Rentjeh Klöhnhases Betrachtungen“ regt sich der Autor gerne auch mal über die Lokalpolitik auf. In einer Ausgabe aus dem Jahr 1909 ist der schleppende Ausbau eines Kanals in Hannover das Ziel seiner satirischen Betrachtungen:

„Ein kleiner Kanal, aber ein großer Skandal! Herrjesches, um so’n Kanal und keine Hafenanlagen, da braucht man doch für eine Stadt keine drei Jahre. Ich bin ja auch nicht aus Dummsdorf, aber das sollte man von anderen Leuten auch annehmen.“Scan der Kolumne: Rentjeh Klöhnhases Betrachtungen. Historische Zeitungsbeilagen.

Neben Karikaturen, Cartoons und Kolumnen bestimmen aber vor allem seitenweise Scherzfragen, Witze und Bonmots die das Erscheinungsbild.

„Der Lustige Hannoveraner“ aus dem Jahr 1909Gif: Der Lustige Hannoveraner. Historische Zeitungsbeilagen.

Hannoversche Illustrierte Zeitung

Mit aktuellen Fotos bebildert, erscheint die „Hannoversche Illustrierte Zeitung“ als wöchentliche Beilage. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts finden sich in Tageszeitungen nur wenige Fotos. Der Aufwand ist enorm, die Technik umständlich und der Beruf des Fotojournalisten steckt noch in den Kinderschuhen.

Umso erstaunlicher, dass die Zeitungsmacher des Hannoverschen Anzeigers bereits ab 1909 eine illustrierte Wochenzeitung über sechs bis acht Seiten veröffentlichen.

Exotik, Fortsetzungsgeschichten und Adelsfamilien in der „Hannoverschen Illustrierten Zeitung“ vom 16. Juli 1909

Gif: Illustrierte Zeitung. Historische ZeitungsbeilagenDementsprechend nutzt die illustrierte Beilage ihre Möglichkeiten und bebildert alles, was die Leser im Alltag sonst nicht zu sehen bekommen.

Serbische Schwerttänzer teilen sich die bedruckten Seiten mit ägyptischen Tätowierern, europäischen Adligen, persischen Revolutionären, Walfängern in der Arktis und den ersten Wolkenkratzern in New York. Kriminalistische Erkenntnisse und Fortsetzungsromane runden das Gesamtbild ab.

Die erstaunliche Mischung zeigt sich auch in einer anderen 1909er Ausgabe: Direkt neben der „neuesten Frühjahrsmode“ steht ein Bild der neuesten militärischen Entwicklung der Kruppwerke – ein Geschütz zur Abwehr von Flugzeugen und Luftschiffen unter dem Titel „Der Krieg der Zukunft“.Scan: Allerhand Neues. Historische Zeitungsbeilagen.

Einige Jahre später, im Ersten Weltkrieg, wird in der „Hannoverschen Illustrierten Zeitung“ die Damenmode der Kriegsberichterstattung das Feld räumen. 1916 zum Beispiel prangt auf der Titelseite der österreichische Thronfolger Karl Franz Joseph nach einer erfolgreichen Schlacht in Südtirol gegen die Italiener.

Extrablätter

Doch im Krieg geht es den Lesern nicht nur um bildgewaltige Reportagen. Gefragt sind vor allem aktuelle Nachrichten. Deshalb veröffentlicht der Hannoversche Anzeiger ab 1914 zusätzlich die „Extrablätter“.

Die erste Ausgabe wird am 24. Juli 1914 gedruckt – wenige Tage vor Kriegsbeginn. Der Anlass: „Ein österreichisches Ultimatum an Serbien“. Von nun an vergeht kaum ein Tag ohne „Extrablatt“.

Am 26. Juli – also noch zwei Tage vor dem offiziellen Kriegsbeginn – titelt eine „Extra-Ausgabe“: „Der Krieg beginnt. Das österreichische Ultimatum abgelehnt. – Mobilmachung in Österreich und Serbien.“Scan: Extrablatt vom 26. Juli 1914. Historische Zeitungsbeilagen.

Anders als beispielsweise die „Hannoversche Illustrierte Zeitung“ werden die ganzseitigen, großen „Extrablätter“ nicht in die Zeitung eingelegt, sondern direkt auf der Straße verteilt. Sie erscheinen zu unterschiedlichen Tageszeiten und manchmal mehrmals täglich, was an Zusätzen wie „früh“, „vormittags“ und „abends“ abzulesen ist.

Die „Offizielle Kriegserklärung Österreichs an Serbien“ folgt am Abend des 28. Juli. Drei Tage später verkündet das Blatt die „Erklärung des Kriegszustandes“. Bis Kriegsende erschienen Hunderte „Extrablätter“, mal eng bedruckt, mal auf einen einzelnen Satz beschränkt.

Jugendfreund

Nach dem Ersten Weltkrieg – zur Zeit der Weimarer Republik – blühen Kunst und Kultur in vielen deutschen Großstädten wieder auf. Auch die Sonderdrucke des Hannoverschen Anzeigers beschäftigen sich nun mit positiveren Themen. Ab 1927 erscheint jeden zweiten Sonntag der „Jugendfreund“ als Sonderbeilage für Kinder und Jugendliche.

Märchen, Musik und Technikwissen im „Jugendfreund“ vom 9. Dezember 1928:

Gif Der Jugendfreund. Historische Zeitungsbeilagen.Die Autoren erzählen von „Maikäfers Brautfahrt“ und dem „Moosmännchen“ oder erklären den „Selbstbau eines Radioapparates“ – mitsamt Konstruktionszeichnungen und Schaltkreisen.

Auch die jungen Leser selbst beteiligen sich an ihrer Zeitungsbeilage. Sie schicken Briefe und Zeichnungen an den „Jugendfreund“, der viele der Beiträge beantwortet und veröffentlicht.

Mitunter entwickeln sich richtige Brieffreundschaften zwischen den Kindern und den Redakteuren.

Einer Wilhelmine Kaiser antworten die Autoren in der Rubrik „Briefkasten“: „Zuerst will ich Dir nachträglich, aber nun um so herzlicher, zu Deinem Geburtstage gratulieren. Hoffentlich haben ihn die Zeugnisse nicht beeinträchtigt. Deine letzten Bilder sind wieder sehr fein, man merkt, wie Dein Können immer sicherer wird.“

Daneben gibt es noch kleine Rätsel, Cartoons und sogar Lieder samt Noten – so werden Kinder und Jugendliche an die Zeitung herangeführt.

Historische Zeitungsbeilagen und Sonderdrucke: mehr als nur Beiwerk

Ob sie Bilder fremder Welten auf den Frühstückstisch holten, der jüngeren Leserschaft Technik beibrachten oder die Ältere mit Karikaturen und Cartoons unterhielt – die Beilagen des Hannoverschen Anzeigers setzten gekonnt Bilder und Illustrationen ein, um zu informieren und zu unterhalten.

Den bildlosen „Extrablätter“ kam darüber hinaus die wichtige Bedeutung zu, die Menschen schnell über das Kriegsgeschehen auf dem Laufenden zu halten, und das lange vor der Verbreitung des Radios und Fernsehens.

Das war ein Blick ins Archiv von MADSACK und in die historischen Zeitungsbeilagen des Hannoverschen Anzeigers. Falls wir Ihr Interesse an historischen Ausgaben geweckt haben, finden Sie auf unserem Blog auch historische Erstausgaben: die Cover unserer Tageszeitungen seit 1821.

Mehr über MADSACK erfahren Sie auf unserer GeschichtsseiteDer Text stammt von Frederike Müller und Janik Marx, beide sind Volontäre bei der MADSACK Mediengruppe.

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