Eiswinter: drei Zeitungen, ein Multimedia-Projekt

17. Januar 2019

Vor 40 Jahren hatten Schneemassen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern fest im Griff. Minus 30 Grad, meterhohe Schneemassen, von der Außenwelt abgeschnittene Dörfer und mehrere Tote. Für den Rückblick auf die Schneekatastrophe 1978/79 taten sich die Lübecker Nachrichten (LN), die Kieler Nachrichten (KN) und die Ostsee-Zeitung (OZ) zusammen.

Herausgekommen ist Stillstand, eine beeindruckende Multimedia-Reportage, die den verheerenden Eiswinter interaktiv aufbereitet. Hier erzählen wir, wie das Scrollytelling entstanden ist.

Gute Planung und effektive Tools

Alle drei Titel hatten zunächst unabhängig voneinander geplant das Großereignis in ihrer Berichterstattung aufzugreifen. Die Idee für die Kooperation entstand aber über das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) – genauer gesagt am „Küsten-Desk“ des RND Digital Hubs in Hannover.

Hierfür tauschen sich die Redakteure regelmäßig über anstehende Projekte und Ideen aus – so auch über den 40. Jahrestag der Schneekatastrophe 1978/79. Die Konzeptionierung und Produktion erfolgte dann bei den Zeitungen vor Ort. „Wir wollten unseren Lesern eine möglichst umfangreiche Multimedia-Reportage zur Schneekatastrophe anbieten – und das geht am besten, wenn mehrere Kollegen an einem Thema arbeiten“, sagt Tanja Köhler, Mitglied der Chefredaktion der Kieler Nachrichten und Teil des Stillstand-Teams.

Treibeis in Büsum während der Schneekatastrophe 1978
Treibeis im Hafen von Büsum. Foto: Dirk Gang

Um das Projekt pünktlich zum Jahrestag der Schneekatastrophe am 29.Dezember 2018 zu starten, hat das Redaktionsteam vom Erscheinungstag aus rückwärts geplant. Acht Wochen vorher begann jede Redaktion Inhalte zu produzieren. Jeder Standort übernahm dabei bestimmte Aspekte des Storytelling-Projekts. Das Team der Ostsee-Zeitung recherchierte beispielsweise, welche Konsequenzen der Eiswinter vor 40 Jahren in der DDR hatte.

Kind im Schnee bei der Schneekatastrophe 1978
Viele Kinder haben Spaß im Schnee. Foto: Hanna Warncke

Erfolgreiches Storytelling: regional, individuell, social

Die Multimedia-Reportage Stillstand wurde vom 29. Dezember bis zum 3. Januar Online und in Print gespielt – so lange wie die Schneekatastrophe vor 40 Jahren andauerte. Ein besonderes Feature in der Reportage sind die regionalen Schwerpunkte.

Die Leser sehen zunächst Menschen, Bilder und Geschichten aus ihrer Region. Rück- und Ausblicke sind inhaltlich identisch. Der Vorteil: ein bestmöglich regionalisiertes Projekt bei gleichzeitig geteilten Ressourcen. Da die drei Titel unterschiedliche Storytelling-Tools einsetzen, unterscheiden sich die Geschichten optisch, die KN arbeitet mit Aesop, während LN und OZ Pageflow nutzen.

Hier geht’s zu den jeweiligen Storytellings von Lübecker Nachrichten, Kieler Nachrichten und Ostsee-Zeitung.

Hohes Interesse und viele berührende Anekdoten über die Schneekatastrophe 1978

Bereits im Herbst involvierten die drei Titel ihre jeweiligen Leser. Hunderte Briefe und Bilder der Schneekatastrophe 1978 wurden eingereicht. Auf allen Social Media-Kanälen haben Videos, Fotos und interaktive Karten als Teaser für das Storytelling viel Aufmerksamkeit, starken Interaktionen und großer Reichweite geführt.

„Das Leserinteresse am Thema war immens. Neben den Statistiken sahen wir dies ebenfalls daran, dass unsere Leser in den sozialen Medien eigene Geschichten, Erinnerungen und Bilder teilten – diese waren eindrücklich und emotional und zum Teil sehr berührend“, sagt Jasmin Off, stellvertretende Chefredakteurin der Lübecker Nachrichten.

Dem stimmt Virginie Wolfram von der Ostsee-Zeitung zu: „Die Resonanz auf die Beiträge sowohl in der Zeitung als auch Online war absolut enorm. Wir haben Dutzende Fotos, Erinnerungen und Geschichten von unseren Lesern auf allen Kanälen erhalten“. Gerade an und zwischen den Feiertagen – in der traditionell eher nachrichtenarmen Zeit – hat die Redaktion viele Menschen auf www.ostsee-zeitung.de ziehen können. „Auch jetzt melden sich noch Leser, das Stillstand-Projekt wirkt immer noch nach.“

Drei Titel, ein Team – redaktionelle Zusammenarbeit

Mit Jasmin Off, Marcus Stöcklin und Timon Ruge von den LN, Virginie Wolfram, Moritz Naumann und Robert Berlin von der OZ sowie Tanja Köhler, Julia Carstens, Kerstin Tietgen, Susanne Färber und Christin Jahns von den KN hat ein starkes Team aus drei Redaktionen an Stillstand mitgewirkt.

Die besten Multimedia-Storytelling Beispiele aus den Redaktionen der MADSACK Mediengruppe sammeln wir in diesem Überblicksbeitrag. Dort ergänzen wir fortwährend Best Practices.

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